Absolut Blank Atelier Review

Servus München! Am vergangenen Freitag hat es mich für iGNANT in die bayrische Hauptstadt verschlagen. Wie bereits angekündigt habe ich an dem ‚Absolut Blank’ Workshop zum Thema Kreativität teilgenommen. Der Workshop erstreckte sich über vier Tage, an denen jeweils vier Kreativduos sich mit dem Thema kreatives Schaffen auseinandergesetzt haben.

Dabei waren Jonas Imbery (GOMMA) und Mirko Borsche, Apparat und Nackt, Bompas und Parr sowie Styleclicker und Ayzit Bostan. Jedes Team hat seine Ergebnisse individuell vor Publikum in Form von Installationen, Musik-Performance, Videokunst und Food Architecture erarbeitet und präsentiert. Ich habe im Rahmen der Veranstaltung die Musiker Apparat und Nackt getroffen, mit ihnen über die kreative Krise und andere Dinge gesprochen und ihre Performance verfolgt:

Woher kennt Ihr beiden euch?
Nackt: Eigentlich über einen gemeinsamen Freundeskreis innerhalb des Berliner Labels Shitkatapult. Als Apparat während der Produktion des Albums ‚Devil´s Walk’ an einem Schaffens-Tiefpunkt angelangt war, hat sein Management uns zusammengebracht, um der Arbeit an dem Album neuen Input und Auftrieb zu verleihen. So haben wir uns kennengelernt.

Wie beschreibt ihr euren Stil?
Apparat: Für das neue Album wollte ich einen eher organischeren Sound kreieren. Es sollten immer noch Elemente von elektronischer Musik enthalten sein aber mehr echt eingespielte Instrumente zum Einsatz kommen als zum Beispiel bei der Platte Moderat, die ich mit Modeselektor gemacht habe.

Nackt: Es geht um einen Mix aus verschiedenen Elementen. Apparat hat ja seinen Hintergrund im DJ-Bereich während ich mehr mit Instrumenten rumprobiere. Devil´s Walk sollte mehr in die Tiefe gehen als Moderat und etwas emotionaler, mehr gesangsorientiert sein.

Wie, wann und warum kamt ihr zur Musik?
Apparat: Mein Vater ist Musiker und ich kam dementsprechend schon sehr früh mit Musik in Berührung. Ich war auf Konzerten dabei, hing in Proberäumen rum und fing dann an Schlagzeug zu spielen. Ich besuchte jahrelang die Musikschule und bekam da quasi das Handwerkzeug mit um Musiker zu werden. Das Schlagzeug habe ich irgendwann ausgetauscht aber der Wunsch Musik zu machen blieb.

Nackt: Bei mir war der Weg nicht so geradlinig. Ich wurde von meiner Mutter erstmal in alle möglichen Aktivitäten gesteckt. Von Judo bis Fußball war da alles dabei. Irgendwann war dann Trompete dran. Fand ich nach einer Weile aber auch nicht mehr so cool und bin zur Heimorgel gewechselt. Das ging dann immer so weiter und hat sich irgendwann zu dem entwickelt, was ich jetzt mache.

An was arbeitet ihr aktuell?
Apparat: Ich mache im Moment Musik für ein Theaterstück. Das heißt ‚Krieg und Frieden’ und wird im Mai in Recklinghausen zu sehen sein. Ich wurde von dem Regisseur Sebastian Hartmann gefragt ob ich Lust hätte das zu machen und ich hatte Lust.

Nackt: Ich produziere aktuell auch eine Platte für ein Theaterstück. Außerdem arbeite ich an einem Musik-Workshop für Kinder in Aachen mit. Ich bereite im Rahmen der Stringtheory eine Orchesterreiseprojekt nach Paris vor und mache nach wie vor Musik mit den Warren Suicides. Ziemlich viele Baustellen aber das beflügelt die Fantasie.

Was macht ihr außer/neben der Musik?
Apparat: Nichts. Ich sage immer ‚Ich muss mir mal ein Leben besorgen!’. Musik machen ist ein Fulltimejob aber sich mit nichts außer Musik zu beschäftigen reicht eigentlich auch nicht aus.

Nackt: Wir gehen ein bisschen biken, lesen, ins Theater, was man eben so macht aber Apparat hat schon recht, denn die Inspirationen kommen einem nicht, wenn man auf der Couch sitzt. Auch wenn das nach einem langen Tag vielleicht das einzige ist auf das man noch Lust hat, muss raus gehen und Ideen sammeln.

Welche Künstler inspirieren euch?
Nackt: Ich fühle mich inspiriert von Künstlern, die ihr Leben lang eine Inspirationsquelle bleiben. Die immer wieder kleine Wegweiser setzen und deren Sachen nie alt werden.

Apparat: Steve Reich, ein Pionier im Bereich Minimalistischer Musik war für mich eine große Inspiration für meine Arbeit. Ich hab Nackt auch mit, der ebenfalls sofort begeistert war mit Steves Kompositionen bekannt gemacht. Ich finde es inspirierend, wenn es Künstlern gelingt sozusagen neues Vokabular zur bereits vorhandenen Sprache hinzuzufügen.

Mit dem Album Devil´s Walk entwickelst du dich ja, wie du selbst bereits sagtest, eher etwas weg vom Elektro-DJ-Dasein. Instrumente und Gesang spielen eine größere Rolle. Ist das deine neue Richtung oder wie geht’s weiter?
Apparat: Das kann man nie so genau sagen. Wichtig finde ich, dass es nicht langweilig wird. Es kommen ständig neue Leute in meinen Kreis und die bringen neue Energien mit und beeinflussen meine Arbeit in unterschiedlicher Weise. Gerade bin ich in diese Richtung gegangen, vielleicht drehe ich beim nächsten Mal wieder um oder mache was ganz anderes. Am Ende bin ich oft selbst überrascht vom Ergebnis aber ich mag das Experimentelle und wir müssen ja keine Erwartungen erfüllen, sondern können einfach gucken was passiert.

Warum seid Ihr heute hier? Was macht Ihr heute?
Apparat: Als wir eingeladen wurden zu einem Workshop zum Thema Kreativität fand ich das erstmal nicht so spannend. Kreativität, was ist das überhaupt? Als wir dann weiter gelesen haben, dass es um kreative Krisen geht habe ich sofort angebissen. Ich hatte gleich Ideen im Kopf, wie man das angehen kann und fand es spannend mich damit zu beschäftigen.

Nackt: Wir haben uns ja quasi aus der kreative Krise kennengelernt und haben so etwas zu dem Thema beizutragen, was ganz stark mit unseren persönlichen Erfahrungen zusammenhängt. Ich fand es aufregend neuen Input zu bekommen und unsere Ideen zu dem Thema weiterzugeben. Außerdem zeigen wir, wie ein Track entstehen kann.

Ihr sprecht im Blank Atelier über Schaffenskrisen. Wann war eure letzte? Wie sieht so was aus?
Apparat: Kleinere Krisen hat man immer mal. Man muss irgendwie Energie tanken um die kleinen täglichen Krisen zu überwinden.
Während meiner Arbeit an dem Album ‚Devils Walk’ hab ich mich allerdings so in die Krise gearbeitet, dass ich völlig frustriert war und das Album ohne Nackt sicher weggeschmissen hätte. Ich bin dann so in der Schaffenskrise gefangen, dass ich denke nichts hat einen Sinn mehr und ich kann nie wieder Musik machen!

Nackt: Das Material, das ich da vorgefunden habe als Apparat schon aufgeben wollte war großartig. Ich bin also mit frischer Euphorie rangegangen und hab angefangen zu arbeiten. Apparat ist während des Prozesses irgendwo die Puste ausgegangen und er wollte an der Station schon viel weiter sein als er eigentlich war. Also stieg ich ein. Apparat konnte sich ein paar Wochen rausziehen und frei machen von der Arbeit und als er wieder ins Studio kam ist er mit neuer Begeisterung eingestiegen. Wir haben uns, getrennt durch eine Glasscheibe, die Bälle wie beim Ping Pong zugespielt und die Arbeit hat wieder richtig Spaß gemacht.

Wie kann man Schaffenskrisen Eurer Meinung nach erfolgreich überwinden?
Apparat: Der Kerntipp ist eigentlich den Ball am Rollen zu halten. Hilfreich ist auch, sich Stationen einzurichten, zu denen man zurückkehren kann, wenn ein Stepp irgendwie schief läuft. So behält man den roten Faden und muss nicht immer ganz von vorne anfangen. Wenn man so in den Tag reinarbeitet ist man verloren. Sobald etwas nicht so läuft, ist man nicht in der Lage zurückspulen sondern muss ganz von vorne beginnen. Deswegen ist so etwas wie eine kreative Toolbox sehr effektiv. Die Toolbox füllt man während dem Schaffensprozess mit Werkzeugen und Hilfsmitteln, die sich bewährt haben und die Arbeit voran bringen. Aus ihr kann man sich bedienen, wenn man mal feststeckt. Und wenn nichts mehr hilft holt man sich am Besten jemand anderes ins Boot wie zum Beispiel Mister Nackt hier.

Nackt: Man muss verstehen, dass die Schaffenskrise kein selbstverschuldetes, individuelles Drama darstellt. Sie gehört zum kreativen Prozess dazu und bringt einen im besten Fall voran. Probleme zu finden und sie zu lösen gehört dazu. Jemand um Rat zu fragen kann auch zur Lösung der Krise beitragen. Man muss im Endeffekt nur darauf achten cool zu bleibe, die Ruhe zu bewahren und nicht durchzudrehen.

Die Performance des Team aus Apparat und Nackt bildete den Entstehungsprozess der Songs auf ihrem Album Devil´s Walk nach. Sie legten, ganz nach dem Motto des Workshops mit einer blanken Seite los und zeigten, wie daraus ein Stück entsteht.

Was sonst im Studio hinter verschlossenen und schallisolierten Türen passiert wurde vor Publikum improvisiert. Nackt präparierte das Klavier indem er Tape, Münzen und sonstigen Gegenstände an den Saiten anbrachte, die dort eigentlich nichts verloren haben. Was sich vorher wie ein normales Klavier anhörte klingt dadurch dumpf, verzerrt auf jeden Fall anders. Apparat saß am Computer und mischte die Instrumente, die von Nackt eingespielt wurden nach allen Regeln der DJ-Kunst. Was dabei rauskam hörte sich schon sehr ähnlich an, wie die Tracks, die auf dem Album zu finden sind. Einen Eindruck von den Tracks könnt ihr hier bekommen.

Außerdem haben 20 Künstler für die Kampagne weiße Leinwände in Form der ABSOLUT Flasche künstlerisch gefüllt. Einige der Ergebnisse wurden bei der Veranstaltung in einer separaten Location gezeigt. Das Design von Mario Wagner, der am Eröffnungstag aus San Fransisco da war, hat es auf die Flasche geschafft und wird in einer Limited Edition zu kaufen sein.

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